verfasst von Jasmin Rumpf
Wenn es in der Stadtbücherei in Katzenelnbogen plötzlich besonders still wird und selbst das Rascheln von Seiten Aufmerksamkeit bekommt, hat der Lesewettbewerb der Grundschule im Einrich begonnen.
Zum dritten Mal traten im vergangenen Monat die Zweitklässler gegeneinander an, lasen flüssig vor und meisterten selbst schwierige Wörter.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht jedoch weniger der Wettbewerbsgedanke. „Es geht darum, das Lesen zu fördern und den Kindern den Spaß daran zu vermitteln“, sagt Lehrerin Charlotte Ibel, die den Wettbewerb gemeinsam mit ihrer Kollegin Rebecca Andrée ins Leben gerufen hat. Der schulinterne Wettbewerb soll die Schüler ermutigen, sich etwas zuzutrauen und ihre eigenen Fortschritte zu erkennen.
Wer liest - und wer entscheidet
Wer beim Lesewettbewerb mitmachen möchte, muss zunächst die Vorauswahl in der eigenen Klasse bestehen. Jede Klasse entscheidet gemeinsam, welche zwei Kinder ihre Klasse vertreten dürfen. Am Wettbewerbstag können die Kandidaten zwei Kinder als Begleitung mitnehmen. „Jemanden zur Unterstützung an seiner Seite zu haben, gibt den Schülern nicht nur ein beruhigendes Gefühl, es stärkt auch den Gemeinschaftsgedanken“, so die Initiatorinnen.
Beurteilt wird die Leseleistung von einer Jury, die neben Ibel und Andrée aus dem Schulleiter und der Schulsprecherin sowie einem Mitarbeiter der Stadtbibliothek und der Inhaberin eines Büchergeschäfts besteht.
Die Bewertung erfolgt nach klaren Kriterien wie etwa deutliche Aussprache, angemessene Lautstärke, flüssiges, möglichst fehlerfreies Lesen und ein gutes Tempo.
Zwei Runden, zwei Texte
In der ersten Runde lasen die Teilnehmenden vier Minuten aus einem selbst gewählten Buch. „Die Kinder konnten sowohl zu Hause als auch in der Schule üben und sich so auf den Wettbewerb vorbereiten“, erklärt Andrée. Die vertrauten Texte gaben Sicherheit und erleichterten die Präsentation. Der Applaus der Mitschüler und der Jury sorgte für eine entspannte und wertschätzende Atmosphäre.
Die vier besten Leserinnen und Leser zogen anschließend in die Endrunde ein. Die Aufgabe: nach einer kurzen Vorbereitung musste nun ein unbekannter Text vorgelesen werden. Worte wie „Stalagmiten“ waren dabei bewusst gewählte Stolpersteine und eine besondere Herausforderung. Trotz Aufregung blieben die Finalisten hochkonzentriert und lasen auch den unbekannten Text sicher und ausdrucksstark.
Anerkennung für jeden
Am Ende des Wettbewerbs erhielten alle Teilnehmenden eine Urkunde und einen Preis – unabhängig vom Ergebnis. Damit wird deutlich: Jede Teilnahme zählt und ist eine besondere Leistung, die anerkannt und bejubelt wurde. „Uns ist wichtig, dass alle Kinder den Tag als positives Erlebnis in Erinnerung behalten“, so Ibel.
Natürlich gehörten auch kleinere Enttäuschungen dazu, etwa für diejenigen, die das Finale nur knapp verpassten. Doch auch solche Erfahrungen seien wertvoll, so die Schule. Der Umgang mit Erfolg und Misserfolg sei schließlich ein Teil des Lernens – genauso wie das Lesen selbst. So hat der Tag vor allem eines gezeigt: Lesen macht Spaß, stark - und sichtbar stolz.

